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«Kabut» im Soundcheck
Bild/Illu/Video: Cover

«Kabut» im Soundcheck

Zu Beginn klingt das Lied «Kabut», wie eine defekte Kinderspieluhr, bei der die Batterie ausgelaufen ist. Auch sonst dreht sich bei diesem Song alles um den kaputten Lebensstil, den Tarick One und seine Jungs zelebrieren. Es ist ein trauriges Bild, welches der Rapper hier metaphernreich nachzeichnet auf dem Titeltrack des Albums.  


«Bessere Ort» ist ein richtiges Brett, das mit viel Punch aus den Boxen pumpt. Ich mag den aggressiven Unterton, der gegen die Gesellschaft und ihr System zwischen den Zeilen mitschwingt. Es ist eine motivierende Hymne für alle auf der Strasse, die immer wieder an den Normen scheitern und trotzdem nie aufgeben, irgendwann mal akzeptiert zu werden.  

«Bösse a dr Strass» hat im Vergleich zu seinen beiden Vorgängern einen etwas positiveren Vibe. Der Sprachakrobat jagt in diesem Lied den Chancen nach und ich finde vor allem die Abwechslung zwischen Rap- und Gesangspassagen sehr spannend. Auch wenn man hier noch nicht von Popmusik sprechen kann, die Melodie des Refrains ist auf jeden Fall sehr eingängig und bleibt sofort hängen.  

Das Lied «Fautsches Glück» scheint immer näher zu kommen und lauter zu werden. Dieses Stilmittel mag ich sehr, da es dem Lied eine ungeheure Dynamik und Spannung einhaucht. Der Song, auf dem Migo mit einem fetten Part gastiert, ist eine Mischung aus nostalgischen Gefühlen und Sozialkritik. Die beiden Revoluzzer zeigen imposant auf, wie viele Schweizerinnen und Schweizer leider immer noch dem falschen Glück nachrennen ohne zu reflektieren, was im Leben wirklich zählt….  


In «Karl Manhätten» kommt erneut die Kinderspieluhr zum Zug. Auf einem bouncenden Beat parodiert Tarick One die titelgebende Figur, welche das Gefühl hat, dass jedes Problem mit Geld aus der Welt geschafft werden kann. Traurig, dass solche Figuren gar nicht so unrealistisch, sondern ziemlich nah am echten Leben sind.

«K&F» ist im Vergleich zu den anderen Tracks eine verhältnismässig kurze Nummer. Die Ode an das Kiffen und den Austausch von Körperflüssigkeiten verströmt eine entspannte Atmosphäre und ist ziemlich witzig. Eine angenehme Abwechslung.

«Gengno» ist ein Partytrack, der ganz gut in den Clubs von Bern funktionieren könnte. Die ewige Suche nach sich selbst und der Kampf gegen das System werden ansprechend verpackt und unterhalten formidabel. Ist es nicht so, dass die Kunst langweilig wird, wenn man sich dann gefunden hat?


Auf «Chlikrimineu» hat sich der Berner Rapper Unterstützung von Walter Nice und Kater Karlo geholt. Der Trapbeat hat etwas Gefährliches und lässt viel Platz für die komplett unterschiedlichen Styles, welche die drei Sprachakrobaten zelebrieren.

«Schwanz gse 2.0» ist eine marschierende Hymne gegen das Etablissement, die meinen Kopf automatisch mitnicken lässt. Wenn man Musik riechen könnte, würde bei dieser Nummer ein Duft von Benzin und Feuer aus meinen Boxen steigen.

Wow, was für eine schön klingende Komposition, welche die Geschichte «Stosszyte» beheimatet. Das Porträt eines Aussenseiters hat viel Popappeal und lädt zum Umdenken an, denn vielfach werden solche, die sich das innere Kind erhalten, als Spinner abgestempelt und an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Für genau diese Randständigen, die oft übergangen werden, hat Tarick One hier ein Lied zur Identifikation geschrieben, welches ein Gemeinschaftsgefühl erschafft und ihnen hoffentlich auch ein wenig Selbstvertrauen zurückschenkt.


Auf der anderen Seite der Gesellschaft stehen Personen, die sich für eine «Bänkerlehr» entscheiden. Bei diesem Stück zeigt sich wie zerrissen die Gesellschaft ist. Für Personen, die Rapper werden wollen nach der Lehre bei der Bank hält Tarick einen Mittelfinger bereit und zeigt, dass Musikmachen auch immer eine Art destruktive Selbstzerstörung mit sich bringt.


«Wisi tanzt» weckt Sommergefühle und entführt einem in die Fremde. Der tanzbare Ohrwurm voller positiver Vibrationen hat einen melancholischen Text, der die Geschichte einer Tänzerin erzählt. Das Lied ist ein wenig ein Fremdkörper auf diesem Tonträger und passt vielleicht genau deshalb so ungeheuerlich gut ins Konzept.

«Nid hie» hätte von der Mood her auch gut auf das Album «Nachtblau» von seinen Kollegen Migo und Buzz gepasst. Tarick One zeigt, dass der Missbrauch von Rauschgiften eben auch Schattenseiten hat und wie er immer mehr am System verzweifelt. In solchen Moment hilft häufig nur die Flucht nach vorne.


«Mini Art» beginnt fast ein wenig bluesig und der Berner Rapper erklärt nochmals was ihn und sein Wesen ausmacht. Cool, dass hier eine akustische Gitarre gesammelt wird, die zeigt, dass er durchaus auch gegenüber fremden Genres offen ist.


Schlussfazit:

Das Album «Kabut» von Tarick One ist ein Rapalbum, welches demonstriert, wie zerrissen die Gesellschaft hin und wieder sein kann. Der Künstler weist auf kapitalistische Missstände hin, sympathisiert dabei aber eher mit den Randständigen, als mit der reichen Oberschicht. Es wird ein Lebensentwurf inklusive Exzessen und Hunger porträtiert und trotz Verzweiflung in seinen Texten scheint der Berner die Hoffnung auf eine Besserung nie komplett zu verlieren. Der Longplayer ist auf jeden Fall eine angenehme, melancholische Einstimmung auf den Herbst, welcher in wenigen Tagen startet. Es animiert einem zum Nachdenken, denn es ist nicht alles Gold was glänzt, hin und wieder sind es die unperfekten oder eben «kabuten» Dinge wie die eigene Musik oder das Abhängen mit Freunden, die das Leben so herrlich lebenswert machen.  

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