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«Win what yesterday lost» im Soundcheck
Bild/Illu/Video: Cover

«Win what yesterday lost» im Soundcheck

«Little Heartbreaker»
Verspielt und doch satt kommt der Opener aus den Boxen. Der Basslauf bleibt sofort im Ohr hängen. Die Synthis im Hintergrund zaubern mir federleicht ein Lächeln auf das Gesicht. Die verzerrten Gitarren werden gut punktiert eingesetzt und sorgen deshalb in der Strophe für spannende Verzierungen und im Refrain für ziemlich viel Druck nach vorne. Und jetzt alle «in the middle of the night!»


Ziemlich viel Countryflair versprüht die Nummer «When the Curtains finally part». Diese klingt angenehm handgemacht und schafft es trotz dem melancholischen Unterton ein wohliges wärmendes Gefühl zu schaffen. Die Orgel im Hintergrund ist phantastisch und auch sonst stimmt einiges bei diesem Werk.


«I will run» könnte auch «I will groove» heissen, denn das ist es, was diesen Song auszeichnet. Das geht sofort in die Beine und wenn Martina Linn im Refrain ein paar Töne höher ansetzt, fährt das einem ziemlich direkt unter die Haut, obwohl dieses Lied sonst eher minimalistisch gehalten ist.  


Nicht nur bei diesem Lied mit dem Titel «After the Snow» ist es mir aufgefallen, Frau Linn hat ein sehr eigenes Soundbild. Ich versuche irgendwie ständig in meiner «Kopfludothek» etwas ähnliches zu finden, aber ihre Musik ist sehr schwer mit anderen Künstlerinnen zu vergleichen, da sie ihren eigenen Weg geht, an den richtigen Stellen überrascht und neue Akzente erschafft. Sowas habe ich schon länger vermisst.


Ziemlich rockig und doch gefühlvoll klingt die nächste Nummer «Under my Rooftop». Mir gefällt es extrem, wenn man hört, wie das Lied beim Schreibprozess geklungen hat. Hier ist das «Original» immer erkennbar und es wird nie versucht durch Studioeffekte das Ganze zu überladen und wie es leider bei vielen anderen Produktionen ist, zu verschandeln. Das knapp dreiminütige Lied brilliert durch die tolle Stimme mit viel Eigenständigkeit, welcher man gerne zu hört und jedes Wort und Gefühl sofort abnimmt.


Die Hymne «Back to 1968» ist wunderbar bluesig. Das Lied scheint mir sensationell geeignet als Reisesoundtrack mit der richtigen Portion Nostalgie und viel instrumentaler Musik, bei der Martina Linn’s tighte Begleitband sich ein wenig ausleben kann.


Der Titelsong «Win what yesterday lost» hält einiges an Spannung und Wild-West-Romantik bereit, die einem sofort packt. «Freedom» singt sie und man hört fast im Hintergrund die Pferde durch die Wüste galoppieren. Was für ein grandioses Werk mit genialem Rhythmus, der einem im Handumdrehen packt und in Gedanken in das Tal des Todes verfrachtet. Musik ist schon ein unglaublich starkes Medium, wenn man es mit Liebe und Leidenschaft betreibt. Eine bärenstarke Nummer!

Das schmachtende Jazzstück «Don’t let me fall in Love with you» ist Melancholie pur und der Hörer möchte Frau Linn am liebsten eine warme Decke vorbeibringen, so traurig klingt sie auf diesem Werk. Die Gospel-artigen Backingvocals signalisieren, dass es trotzdem irgendwie weitergeht und was Lukas Thöni da aus dem Flügelhorn hervorlockt, lässt einem ziemlich erstaunt zurück. Stark!


«Joana» gefällt mir sofort, da die Strophen und der Refrain komplett unterschiedlichen Rhythmen folgen. Dies klingt irgendwie ziemlich unterhaltsam und phasenweise fast auch ein wenig lustig nach Zirkusmusik. Ein Lied, dass ich sicher immer wieder mal gerne hören werde.


«Hailing Distance» ist druckvolle Americana-Musik, wie man sie von einem Bündner Act eigentlich nicht wirklich erwarten würde. Die von ihr im Interview umschriebene neue Härte macht hier besonders Sinn. Das wird sicher ein toller Livetrack, der enorm zum Mitfeiern einlädt. Ein Schlusspunkt mit Ausrufezeichen!


Schlussfazit:
Das neue, inzwischen dritte Album «Win what yesterday lost» von Martina Linn ist eine Bereicherung für jede CD-Sammlung, da die Bündnerin es schafft mit ihrem ganz eigenen Sound zu begeistern. Ihre handgemachte Musik findet eine wundervolle Balance zwischen sanften und lauten Klängen, ist stets druckvoll nach vorne und verliert auch in den ruhigen Passagen nie eine gewisse Dringlichkeit. Auf diesem Album können Sie eine Frau erleben, die ihren Weg ohne Kompromisse und Anbiederungen geht und nicht nur davon spricht. Bitte, unbedingt mehr davon!

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