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«Out of Time» im Soundcheck
Bild/Illu/Video: Cover

«Out of Time» im Soundcheck

Lange brauchen die Landquarter nicht, um mit «The Redeemer» durchzustarten. Das Riff kommt mit viel Druck, das Growlen von Fabian Wittwer ist auf den Punkt und verleiht dem Sound des Quintetts eine diabolische Präsenz. Der schnelle Teil am Schluss bricht mit dem Groove und zeigt einen ersten Eindruck, was da noch Epochales erwartet werden darf.


Das sehr melodiöse «Nubia» wird in der Metalszene wahrscheinlich schon fast als Ballade angesehen. Trotz des tollen cleanen Gesangs von Tobias Wittwer bleiben die Jungs ihrer Linie treu und kein Stein bleibt auf dem anderen. Wenn Geschwister musikalisch loslegen, muss das nicht immer in weichspühlerischen Gefilden wie bei Tokio Hotel enden… Die Wittwer-Brüder zeigen mit ihrem starke Team im Rücken, wie moderner Metal zu klingen hat, egal, ob damit CDs verkauft werden oder eher ein Nischendasein gefristet wird. Diese Kompromisslosigkeit steht My Last Hour exzellent und steigert die Vorfreude auf die kommenden Liveshows.

Der Titeltrack «Out of time» hält relativ viel Abwechslung bereit, was alten Metalheads genau gleich wie auch jungen sehr gefallen könnte. Mit technischer Raffinesse und viel Druck nach vorne, präsentieren die Jungs ein ziemlich intensive Metalmaschine, bei der Bassist Yannick Kurmann das Klanguniversum in dieser Nummer zusätzlich durch seinen cleanen Gesang bereichert. Sehr gelungen.

Der Song «Take me away» zeigt, wie ausgereift der Sound der doch noch recht neuen Band My last Hour bereits ist. Dem soliden Zusammenspiel hat sicher die Vorgängerband «A Dying Ember» geholfen und mit Fabio Spadin haben sie einen ziemlich tighten Drummer an Bord, der jederzeit wie ein Tornado über ihre Musik fegen kann.


Beim epochalen Werk «Horizon» werden schwere Geschütze aufgefahren, während im Hintergrund das Keyboard ziemlich bedrohlich mitschwingt. Wenn die Klangwand für einen kurzen Moment zusammenbricht und Platz für den Gesang von Tobi geschaffen wird, ist das fast ein wenig so, als wäre da eine andere CD in der Stereoanlage gelandet, was zeigt, dass es die Jungs schaffen Musik zu kreieren, die nicht nur voller Aggression, sondern auch melodiös und berührend klingen kann.


Unterstrichen wird diese Vorahnung beim Lied «Everything is great», welches minimalistisch begleitet, tief unter die Haut fährt und es schafft die Stimmung ziemlich melancholisch und dunkelgrau anzumalen. Mir gefällt das Bedrohliche in der Luft, was zeigt, dass es in jedem Moment zu einem Ausbruch kommen könnte. Doch der Song bleibt eine Ballade, die sogar bei ein paar alternativen Radiostationen mit etwas Glück ein wenig Airplay ergattern könnte.


Das Brett «Waiting for Nothing» ist ganz grosses Kino. Das Riff von Fabio Marino bleibt sofort im Ohr hängen und ich kann mir sehr gut vorstellen, wie gerne die Landquarter diese Nummer live präsentieren. Eine ziemlich runde Geschichte das Lied, welches den Sound der Herren in jeder Variation stellvertretend präsentiert.


In «Blinded» schaffen Studioelemente eine mysteriöse Atmosphäre, bis die ganze Formation mit geballter Kraft sich mächtig ins Zeug legt. Angenehm, wie sie Tobias’ cleanen Gesang integrieren. Sowas weckt bei ein paar neuen Zuhörern das Interesse an härterer Musik, wofür ihnen andere Regiobands aus dem Genre sicher auch dankbar sein dürfen.


«Slave of myself» beginnt mit einer schönen Pianomelodie, bleibt aber nicht lange balladesk, sondern wird schnell zu einer Hymne voller Verzweiflung und Enttäuschung. Beides spürt man beim ersten Durchhören schon, denn My Last Hour schafft hier ein Track, der einem fast ein wenig reinzieht in die Traurigkeit.


Bei «Suffering» gehen ein letztes Mal die Devilhorns nach oben, denn ein richtiger Albumabschluss voller Druck und Aggression steht an, der sich ideal an den roten Faden der Platte knüpft und noch mal ziemlich heftig auf den Putz haut.

Schlussfazit:
My last Hour servieren auf ihrem Debütalbum «Out of time» eine ziemlich energetische Mixtur aus unterschiedlichen Metalsubgenres. Ihre eigene Handschrift oder hier könnte man es auch gut ihr eigener Faustabdruck nennen, fasziniert durch eine imposante Virtuosität, ein lockeres und doch routiniertes Zusammenspiel, sowie Klangwelten, der sogar Hörer ausserhalb der Szene zu begeistern vermögen. Die Band braucht sich definitiv nicht hinter der internationalen Elite zu verstecken, denn My Last Hour bringt einen neuen etwas dunkleren Schwarzton ins Spiel, der fesselt und Lust auf mehr macht. Sicher auch live ein echtes Erlebnis!  

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