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«Plange» von Supersiech im Soundcheck
Bild/Illu/Video: Cover

«Plange» von Supersiech im Soundcheck

«Gfährlech» ist ein Tango voller Poesie über eine gefährliche Frau. Die Bilder, die Dülü Dubach hier malt sind wunderbar und erinnern mich an die besten Zeiten der Band «Stop the Shoppers», bevor sie meiner Meinung nach zu intensiv in die Worldmusic abgedriftet sind. Immer wieder wunderbar, wenn man noch nie von einer Band was gehört hat und dann so positiv überrascht wird, wie in diesem Fall hier. Ich mag die Ausdrücke «Mandelaugen» oder die «Lawine aus Sehnsucht in der Brust» sehr. Eine tolle Truppe, die schon auf dem ersten Stück der CD sehr abwechslungsreiche Musik vorstellt, die mir sofort sehr gefällt. Aber warum «vor Publikum küssen»? Den verstehe ich nicht ganz.


Ziemlich tanzbar und mit viel Drive nach vorne schiesst das sehnsüchtige «Plange» durch die Boxen. Nicht nur textlich wird das Thema fabelhaft umschrieben, auch die Musik trieft regelrecht voller Aufbruchsstimmung. Ein spannender Offbeatkracher, den die Herren Christ, Knuchel, Leuenberger und Dubach hier servieren.

Die Kilbihymne «Let the bon temps rouler» ist das Porträt einer Partynacht, wie es sonst nur ein Büne Huber so amüsant in Worte zu verpacken vermag. Ein Geburtstagsfest, welches aus den Fugen gerät, liefert hier einige amüsante Anekdoten und ich grinse sofort, als die Formation aus Solothurn auch noch so ein geiles Barpiano auspackt, das ziemlich erfrischend rockt.


Die Ballade «Wartisch» ist minimalistisch gehalten mit Klavierbegleitung, was viel Platz für den melancholischen Text lässt, welcher einem recht einfährt und perfekt zur Jahreszeit passt.

Das eigene «Anthem» namens «Supersiech» klingt am Anfang etwas geheimnisvoll und anrüchig. Interessant, wie Frontmann Dülü sein Leben zwischen Stühlen und Bänken erklärt und dabei viel Humor an den Tag legt. Das macht Mut für seine Visionen einzustehen und weiter zu machen, wenn man hört, wie er sich als Supersiech schlägt. Der Zeitgeist ist bei der Heldensuche eben auch ein ziemlich entscheidender Faktor…


«Schnore» ist bluesig und erstmals hört man den wundervollen Klang von einem Banjo. Das Ignorieren als Thema finde ich jetzt nicht gerade wahnsinnig prickelnd, aber immerhin macht das tolle Zusammenspiel des Quartetts einiges wett.


Der Lovesong «Isabella» ist feinster Mundart-Reggae, der ehrlich klingt und nicht für Fremdschämen sorgt. Mag ich irgendwie sehr.


Zum zweiten Mal Banjo und das Chanson «Choch» ist eine Geschichte mitten aus dem Leben, die hier erzählt wird. Die Melodie kommt mir irgendwie bekannt vor, was aber auch ein reiner Zufall sein kann. Herrlich, wie die Herren von Supersiech eine etwas tragische Figur, wie den Koch doch mit viel Feingespür und Humor porträtieren. Als dann plötzlich ein Hund auftaucht, ist das Chaos perfekt und der Koch pfeift auch weiterhin aus dem letzten Loch.


«Nächtelang» hat Tangoanleihen, die zum Gesamtkonzept von der Band gehören und sehr zu befallen vermögen. Es ist zwar auf der CD nicht ersichtlich, aber ist das nicht Schmidi Schmidhauser, der da ein Gastspiel gibt??? Ich wusste es doch, dass die Band gut zusammen im Duett mit der Mundartlegende funktioniert. Ein tolles Chanson voller Traurigkeit und Poesie. Mundartmusik von dieser Sorte mochte ich immer schon sehr gerne.

Am Schluss kommt noch ein wenig Fröhlichkeit um die Ecke. In «Coopodermigros» werden die schwierigen Entscheidungen dargestellt, die der Alltag für einem bereit hält. Die Lösung scheint zu sein, einfach mal drauf zu pfeifen und das Leben zu geniessen.


Schlussfazit:
Supersiech sind für mich eine der ganz grossen Entdeckungen des Jahres, wenn es um Schweizer Mundartmusik geht! Selten habe ich eine Platte mit so viel Witz, abwechslungsreicher musikalischer Umrahmung und Poesie gehört, wie das Album «Plange». Das stimmige und runde Werk klingt frisch, jugendlich verspielt und doch auch routiniert und professionell. Die Geschichten stammen mitten aus dem Leben, was ihnen eine starke Strahlkraft verleiht, die einem öfters zum Mitsingen und Schmunzeln bewegt. Mit einem kurzen Googeln habe ich soeben herausgefunden, dass dies bereits das vierte Album der Herren ist, weshalb ich mir in naher Zukunft sicher weitere Scheiben von ihnen zu Gemüte führen werde. Eine ziemlich spannende Kombo!

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