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Poetisch die Pandemie ausgeblendet
Bild/Illu/Video: Christian Imhof

Poetisch die Pandemie ausgeblendet

Genau von dieser Normalität, respektive aus der Zeit vor der Pandemie handelt das neue Soloprogramm «Der Suboptimist». Dabei eine zentrale Rolle spielt sein 60-jähriger Fahrer «Fäbu» aka Fabio. Dieser sei ein loyaler Typ, wie es Simon zu Beginn erklärte. Durch die vielen gemeinsamen Reisen durch die Schweiz seien er und der Althippie sich nähergekommen und inzwischen sei zwischen den beiden Männern trotz dem Altersunterschied eine tiefgehende Freundschaft entstanden. Auch wenn er hin und wieder mit sich hadere, «Fäbu» beruhige ihn mit ein paar treffenden Worten und habe seine innere Mitte längst gefunden.  


Wenn der Arsch an der Beerdigung einschläft

Eine weitere wichtige Figur im neuen Stück von Simon spielt die lesbische Medizinerin Gloria. Diese gesellt sich zu ihnen in den verlotterten VW-Bus und zügelt kurz darauf mit ihren sieben Sachen und dem Chinchilla mit ihrer Freundin «Susla» zusammen. Als diese die Hausärztin in einer Nacht und Nebel-Aktion verlässt, gerät ihr Leben kräftig aus den Fugen. Einzig die von Simon durchgeführte Lebensberatung inklusive einem Ausflug in die Bündner Berge scheinen dabei zu helfen. Beim Poeten Christoph Simon sind es die teils abschweifenden und stets kuriosen Erzählungen, die nicht nur sein Programm «Der Richtige für fast alles», sondern auch sein neues Werk so wunderbar kurzweilig machen. Seine präzise Sprache, aber auch der von ihm vorgetragene Wortwitz macht aus alltäglichen Situationen ein Festival für die Bauchmuskeln. Einmal beispielsweise erzählte er davon, wie ihm an der Beerdigung eines Cou-Cousins gleich beide Arschbaken eingeschlafen seien, weil diese so wahnsinnig lange gedauert habe. Bei einem weiteren Abenteuer seien «Fäbu» und er kampieren gewesen und hätten die unangenehme Bekanntschaft mit einer ausgebrochenen Würgeschlange gemacht. Simon, der ein Händchen für ungemütliche Situationen zu haben scheint, blieb bei seinen Geschichten immer nahe an der Realität, was dem Programm eine angenehme Authentizität einhauchte und es so wunderbar kurzweilig machte.

 

Futter für ausgehungerte Qulturseelen

Die knapp zweistündige Vorstellung des Berners hat dem Publikum definitiv gutgetan. Man spürte bei den Anwesenden, dass sie schon länger auf Qultur verzichten mussten und die angenehme Auszeit vom Alltag dankbar annahmen. Auch der Kabarettist wuchs über sich hinaus und strahlte vom ersten bis zum letzten Wort. Er bedankte sich für den frenetischen Applaus, die grandiose Akustik und die Organisation des Abends mit Geschichten der Prä-Corona-Phase. Auch wenn Abstandsregeln und Desinfektionsmittel in Gams omnipräsent sind, scheinen genau solche Veranstaltungen, bei denen die Menschen abtauchen können in eine Welt aus Poesie und Humor, unheimlich wichtig zu sein. Für einen Abend konnte das Publikum die Pandemie zur Seite schieben, zuhören und wieder mal herzhaft lachen, was für die ausgehungerten Qulturseelen definitiv eine echte Wohltat gewesen ist.

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