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Worte sind nicht einfach nur Worte
Bild/Illu/Video: Emilia Schwarz

Worte sind nicht einfach nur Worte

Mehrmals erzählten mir nun schon Erwachsene in meinem Umfeld, wie erschrocken sie teilweise sind, wie Menschen in meinem Alter miteinander kommunizieren. Eine Bekannte durfte diese Erfahrung in einem Bus voller Schüler machen, was mich an meine Situation erinnerte. Mich erschreckt es sehr, wenn Leute schon gar nicht mehr merken, dass ihre Sprache hauptsächlich aus Beleidigungen besteht. Noch besser wird es, wenn sie es dann auch noch lustig finden.


Eine angemessene Sprache hat auch etwas mit Respekt zu tun. Es ist total egal, ob beide Gesprächspartner mit einer abfälligen Wortwahl «einverstanden» sind. Zudem gibt es den Gruppenzwang, man möchte nicht uncool vor anderen dastehen. Mir ist bewusst, dass die Leute, die so miteinander sprechen, sich eigentlich mögen. Natürlich meinen sie es nicht ernst, hoffe ich zumindest. Trotzdem, es würde mir im Traum nie einfallen, eine Person die mir nahe steht, aus Spass zu beleidigen. Diese Art zu sprechen wird mit dem Argument verteidigt, dass man es gar nicht so meint, wie es klingt. Da kann man es ja auch einfach sein lassen, oder nicht?


Auch wenn man diese «Jugendsprache» nicht spricht, kann es leicht passieren, dass die Worte, welche man ausspricht, falsch ankommen. Ich habe von Menschen gehört, die noch monatelang nach einem Ereignis jeden Abend über diesen einen Satz nachgrübelten, da er sie einfach nicht losliess. Natürlich sollte man in so einem Fall das Gespräch suchen, vor allem wenn einem die Person nahe steht. Meistens ist das Missverständnis dann schnell beseitigt. Jedoch ist nicht jeder Mensch mutig genug zu sagen, dass ihn etwas verletzt hat.


Nun möchte ich von einem Mädchen erzählen, welche durch ein paar neckende Sprüche von Menschen, die sie gar nicht gut kennen, ein total falsches Bild von ihrem Körper bekommen hat und fast in eine Essstörung gerutscht ist. Mit diesem Beispiel möchte ich betonen, wie sehr es auch wirklich in die Hose gehen kann, wenn man sich falsch ausdrückt. Natürlich muss man nicht jedes Wort einzeln abwägen, aber gerade Kommentare über das Aussehen, das Gewicht oder das Essverhalten können vor allem in jungen Jahren mehr anrichten als man denkt.


Mit der Gabe zu Sprechen kann man sehr viel Gutes aber auch viel Schlechtes bewirken. Ein aufmunterndes Gespräch mit Freunden kann den Tag retten, die Mutter baut ihr trauriges Kind mit liebevollen Worten auf, bei der Arbeit wird man gelobt und so weiter. Auf der anderen Seite kann man, wie man oben sieht, auch sehr verletzend sein, wenn man nicht Acht gibt. Da es kein Gesetz gibt, wie man untereinander kommunizieren soll, kann jeder/jede selbst entscheiden, was für Sätze er/sie bildet. Dies ist ein Geschenk, ich finde man sollte es nutzen um mehr Positives in diese Welt zu bringen, Leid gibt es schon genug.

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