«Come Inside» im Soundcheck
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«Come Inside» im Soundcheck

Wow, das überrascht mich gleich ein wenig. Mit einem stampfenden Rhythmus startet «Patience», wird getragen von der Stimme des Sängers und macht mich ziemlich vorfreudig auf den Rest der CD. Es ist mir in diesem Moment sogar ziemlich egal, dass mein Macbook, auf dem ich sonst eher selten Musik höre, unaufgefordert erneut zurück zum Anfang des Songs springt. Der Song weisst eine Atmosphäre auf, die mir extrem gut zusagt. Er beinhaltet eine angenehme Balance zwischen ausdrucksstarken lauten und feinen glasklaren Klängen, die einem sofort ein wohliges Gefühl in der Magengegend zaubert. Ein imposanter Start!


Seit dem P.O.D.-Album mit dem gleichen Titel haben es Lieder mit dem Namen «Circles» bei mir sehr einfach. Doch auch diese Interpretation der «Kreise» trägt etwas Magisches in sich und ist eine entspannte, groovige Ballade, bei der ein grosser Teil von den Bassklängen getragen wird. Wenn der Viersaiter mal das ihm zustehende Rampenlicht erhält, empfinde ich dies stets als eine Wohltat für die oft vergessenen Tieftöner. Wenn man der Musik nämlich den Bass entzieht, fehlt es ihr definitiv an Seele und Fundament. Doch bei Nesta and the Blondes scheint Jede und Jeder sich ihrer/seiner Wichtigkeit für die Formation bewusst zu sein. Sehr spannend, wie kreativ hier Emotionen und Gefühle in Noten verwandelt werden und alle für den Song anstatt zur reinen Selbstbeweihräucherung anpacken.


Deutlich weniger nachdenklich, dafür mit umso mehr Popappeal erklingt «Waiting for you» aus den Boxen. Das Ganze erinnert mich an vergangene Sommernächte, erste Liebe und viele mit Magie behaftete Momente in der Vergangenheit. Das ist wundervoller Gitarrenpop, wie ihn die Radiostationen wieder viel mehr spielen sollten. Grandios!


Mit einer nostalgisch klingenden Rockgitarre und der unnachahmbaren Stimme von Andrea Corona startet die hoffnungsvolle Hymne «Cubelles». Diese hält einen Refrain bereit, der sofort zum Mitsingen animiert und mausert sich dank den verträumten Keyboardmelodien im Hintergrund und dem soliden Songwriting zu einem beachtlichen Song, welcher interpretiert von Radiohead wahrscheinlich ziemlich durch die Decke gehen würde.


«Wolf» hat am Anfang etwas von einem Thriller, der von Sekunde zu Sekunde mehr Spannung aufnimmt und irgendwie bedrohlich wirkt. Ich mag es extrem, dass der Frontmann hier fast ein wenig Rap einfliessen lässt, nur um dann beim Refrain intensiv den Mond anzuheulen. Eine ziemlich coole Angelegenheit, da die Band es schafft, die unbändige Freiheit der schützenswerten Wesen spannend in einem Lied zu porträtieren.

Höre ich da tatsächlich ein Glockenspiel? «Three» ist verspielt wie Jazz, aber trotzdem voll von Indy-Gitarren und Kreativität. Der Rhythmus in der Strophe ist grandios, die Melancholie tropft aus jeder Note und irgendwie habe ich, als grosser Casper-Hörer hier eine Art Déjà-Vu. Das musikalische Chaos am Schluss ist wunderbar zum Anhören und auch sonst ist dies eine etwas andere Herangehensweise an eine Komposition, was frisch und spannend ertönt.


Welch grosses Glück es ist, eine solche einzigartige Stimme zu haben, zeigt ausdrucksstark auch die Nummer «Jupiter». Doch alleine ein solches Organ bemächtigt einem nicht, auch noch tolle Songs zu schreiben. Nesta and the Blondes schaffen beides federleicht. Ihr kraftvoller Sound mit einem eigenen Stempel lebt vor allem durch das dynamische Zusammenspiel des Quintetts. Was mir extrem gut gefällt, ist dass diese jungen talentierten Leute begriffen haben, dass ein guter Rocksong nicht immer schnell wie eine «Concorde» sein muss. Harte Musik kann durchaus auch wie eine Dampflokomotive in einem etwas gemächlicheren, schweren Tempo daherkommen und verfehlt trotzdem ihre Wirkung nicht.  


Nochmals hoffnungsvoll poppig und mit einem Hauch Sternenstaub behaftet, schliesst das Lied «Embryo» das erste Album der Formation ab. Dabei wird das Leben im Mutterleib beschrieben und der Protagonist der Geschichte zeigt sich voller positiver Erwartung, ohne negative Einflüsse, mit sich im Reinen und glücklich. Diese Einstellung erinnert mich daran, gewisse düstere Tage etwas leichter zu nehmen und aus jedem Tag, einen einzigartigen zu machen. Denn jeder Tag ist auch irgendwie ein Neubeginn.


Schlussfazit:
Die Band Nesta and the Blondes ist eine ganz spannende Neuentdeckung, welche auch ausserkantonal für Furore sorgen könnte mit ihrem Erstlingswerk «Come Inside». Das Bündner Quintett zeigt, wie weltoffen die jungen Wilden heute doch sind und schafft es mit ihrem Werk zu verzaubern. Hier verschmelzen rockige Gitarren federleicht mit feinen Momenten und es kristallisiert sich jetzt schon ein ganz eigenes Klangbild heraus, für welches andere Bands Jahre brauchen würden. Es sind ziemlich reife Lieder und trotzdem hat sich die Formation ihre jugendliche Verspieltheit bewahrt, was mich zu folgendem Schluss bringt: In Graubünden entsteht wieder Popmusik, die das Potenzial hat die Hitparade zu stürmen!

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