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JazzChur Sommerfestival zum Zweiten

Bereits zum zweiten Mal organisiert ihr vom 6. bis 15. August das JazzChur Sommerfestival. Wie waren die Reaktionen auf die erste Ausgabe?

Durchwegs positiv! Das erste Sommerfestival half vielen Konzertbesuchern und Qulturbegeisterten den Weg zurück in die Clubs zu finden. Die Musikerinnen und Musiker schätzten es sehr, wieder vor Publikum spielen zu dürfen.


Wegen Corona mussten viele Veranstaltungen abgesagt werden, beispielsweise auch das Weekly Jazz. Inwiefern hat das eure Programmierung beeinflusst?

Wir müssen weiterhin sehr flexibel bleiben und auch kurzfristig auf alle möglichen Eventualitäten reagieren können. Es wird auch hinter den Kulissen fleissig improvisiert. Alle künstlerischen Leiterinnen und Leiter versuchen weiterhin hochstehende und spannende Musik in Chur zu präsentieren.


Beim Festival kommen alle vier Landessprachen zum Zug. Wie wichtig ist es dir persönlich, Romanisch eine Plattform zu bieten?

Mir liegt vor allem viel daran, möglichst viele unterschiedliche Aspekte und Facetten der Qultur zu präsentieren. Die Mehrsprachigkeit gehört da für mich wie selbstverständlich dazu.


An eurem Festival kommt es zum Teil zu recht unkonventionellen Paarungen, die eine gewisse Einzigartigkeit aufweisen. Welche Programmpunkte gehören an der diesjährigen Ausgabe in diese Kategorie?

Dazu gehören sicherlich das Duo um Martina Berther und Gian-Marco «Gimma» Schmid (07. August 2021) sowie Dancing Words mit dem Schlagzeuger Julian Sartorius und dem Tänzer Ivan Larsen Ndengue (11. August 2021), welche beide in der Galerie OKRO präsentiert werden. Aber auch die Jam Session, welche am Sonntag 15. August 2021 um 14.00 Uhr in der Postremise ausgetragen wird, ermöglicht viele neue und spontane musikalische Begegnungen.


Seit Fritz Trippels Tod bist du der grosse Name im Jazz in Graubünden. Ehrt dich der Umstand, dass dein Engagement auch ausserhalb der Szene wahrgenommen wird?

Vielen Dank für die Blumen, aber das kann ich so nicht stehen lassen. Klar, ich engagiere mich seit vielen Jahren für den Jazz und mit JazzChur ist nach dem Abtreten von Andrea Engi ein neuer dynamischer und breit aufgestellter Veranstalter unter meiner Leitung am Start. Doch wäre das nie ohne all die vielen Musikerinnen und Musiker möglich gewesen, die spielend und organisierend den Jazz in Chur mitgestalten. Fritz Trippel war das zentrale Gestirn der damaligen Jazzszene. Eine solche Rolle kann und will ich auf keinen Fall übernehmen.


Was fasziniert dich am Jazz?

Jazz bedeutet für mich Freiheit und trägt dazu bei, meine Haltung und Rolle als Musiker und Mensch zu definieren. Auch ist der Jazz für mich das ideale Vehikel, um unterschiedlichste Herausforderungen zu meistern, Verantwortung zu übernehmen und meine Umgebung aktiv und kreativ mitzugestalten.


Wie wichtig ist dir das Improvisieren?

Sehr wichtig, denn die Improvisation findet sich in allen Bereichen meines Lebens wieder – ja, macht diese zum Teil erst wirklich möglich.


Wie gross ist der Nachwuchs im Jazz-Bereich?

Diese Frage kann ich leider nicht genau beantworten. Was ich aber ohne zu zögern sagen kann ist, dass wir in Graubünden über eine sehr vielfältige und spannende Musikszene verfügen. Musikschulen und die verschiedenen Verbände leisten grossartige und wertvolle Arbeit. Angebote wie ein PreCollege oder eine ähnliches Brückenangebot, welches die Lücke nach der obligatorischen Schulzeit, Fach-, Mittelschule oder Maturität schliessen, fehlen leider noch.


Du hast auch bei Rockbands wie May Day, Bündnerflaisch oder 11am getrommelt. Wie wichtig war es für deinen Werdegang auch mal bei kommerzielleren Acts zu spielen?

Ob es für meinen Werdegang wichtig war, kann ich nicht beantworten. Aber es waren Erfahrungen und Lebensabschnitte, die mich als Musiker und Mensch geprägt haben und die mit ganz vielen schönen Momenten und Begegnungen verbunden sind!


Du warst auch einige Jahre als Musiklehrer tätig. Welchen Tipp hast du deinen Lernenden mit auf den Weg gegeben, um vielleicht irgendwann selber von der Musik leben zu können?

Das ist eine sehr schwierige Frage und muss individuell betrachtet werden. Ich denke aber, dass es wichtig ist deine Ziele klar zu definieren, diese konsequent zu verfolgen und dafür einzustehen. Lass dich von deiner Leidenschaft und der Liebe zur Musik leiten, bleib authentisch, sei offen, mutig, ehrlich zu dir selber und versuche neuen (musikalischen) Herausforderung anzunehmen. Sei die beste Version deiner selbst! Neben fundierten und hervorragenden musikalischen Kompetenzen bedarf es zusätzlichem Know-How in Bereichen wie Administration, Kommunikation, Networking, Recht, um nur einige zu nennen. Begegne deinem Gegenüber stets mit Ehrlichkeit, Anstand und Respekt. Versuche deine Fixkosten möglichst tief zu halten, eigne dir einen bescheidenen Lebensstil an und versuche wenn möglich immer einen Plan B bereit zu haben.


In welchen Formationen bist du aktuell noch aktiv?

Moment bin in sehr vielen sehr unterschiedlichen Projekten involviert. Diesen Herbst darf ich mit dem «Claudio Bergamin Quintett» ein neues Programm erarbeiten, spiele eine kleine Tour mit «The Music of Björk – stripped and reloaded», steuere Musik, Sounds & Geräusche für die Theaterproduktion «Piz Palü» bei und bin Mitglied in der Band der Theaterproduktion «wenn hai kusch». Mit Benedetto Vigne, Mi’Amia und Raphael Schneider bin ich in Albumproduktionen involviert. Mit der Punkrock Band Elite P@rtnER arbeiten wir an unserem ersten Album. Und dann spiele ich auch noch einige Weekly Jazz Gigs. Und für 2022 ist auch schon einiges in der Pipeline.


Was empfiehlst du jemandem, der sich von Jazz immer ein wenig überfahren fühlt, aber doch gerne versuchen möchte den etwas komplexeren Klängen eine Chance zu geben?

Besuchen ein Jazzkonzert mit der gleichen Einstellung, wie wenn du dich auf eine Reise begibst. Freue dich darauf, Neues zu entdecken, sei mutig und offen. Und wenn du Lust verspürst zu tanzen, klatschen oder schreien, dann lass es raus!


Wann legt ihr mit dem WeeklyJazz eigentlich wieder los?

Ende August starten wir mit JazzChur in die Herbstsaison.


Werdet ihr den Podcast auch nach Corona weiterführen?

Der Podcast ist ein fester Bestandteil von JazzChur und wird auch zukünftig ein- bis zweimal pro Monate erscheinen.

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