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Säm und das Streben nach Glück
Bild/Illu/Video: zVg.

Säm und das Streben nach Glück

So geschehen im vergangen Frühling... Ich, als einer der grössten No Future-Fans überhaupt hatte damals wieder mal ein echtes Händchen für das Koordinieren von Terminen. Als Säm seine Plattentaufe in Ilanz abhielt, sass ich nämlich bereits im Flugzeug und steuerte für zwei Wochen in Richtung Florida. So verpasste ich, wie bereits einige Male zuvor, die Plattentaufe einer meiner langjährigen musikalischen Begleiter, was mich grausam aufregte.

Als dann vor etwas mehr als zwei Monaten Qultur startete, wollte ich mich für das regelmässige Fehlen an wichtigen Terminen gerne revanchieren und zeichnete unsere gemeinsame Geschichte anlässlich der Musikperle zur EP «Wohri Fründschaft» nach. Ausserdem setzte ich es mir zum Ziel auch das Solowerk vom No Future-Frontmann zu rezensieren, worauf ich ihm eine Mail schrieb, dass er mir doch die CD inklusive eines Einzahlungsscheins zukommen lassen soll. Geschickt hat er mir sein selbstbetiteltes Solodebüt natürlich ohne Rechnung...

Wie Samy Schmid als Säm klingt, könnt ihr hier «Track by Track» nachlesen:

«Kunnt schu guat»
Die Vorabsingle dient bei Samy Schmid’s erster Solo-EP gleich auch als Opener. Die positiven Gedanken verpackt in eine griffige Melodie voller Freude und Hoffnung kommen sehr stimmig daher. Bei der Mutmacher-Hymne zeigt sich, wie der Liederschreiber Schmid normalerweise bei neuen No Future-Hits vorgeht. Doch auch die akustischen Rohfassungen haben schon eine enorme Stärke und Daseinsberechtigung, bei der ich gerne zuhöre.  
Der stilvolle Clip voller imposanter Bilder zum Song findet ihr hier.

«Glück»

In diesem akustischen Song schwärmt Säm von seinen Reisen und bedankt sich für das Glück, so viele genialen Momente erleben zu dürfen. Passend zu dem durchs Band positiven Track hört man ihn zwischendurch sogar noch pfeifen, was einem sofort ein Lächeln aufs Gesicht zeichnet. Interessant, wie er die elektrische Gitarre perkussiv einsetzt gegen Ende des Liedes, welches sehr zum Mitsingen einlädt. Es gibt noch so viel zu erleben, wofür mir alle ein wenig dankbarer sein könnten.

«Vergiss mi nit»
Wenn wir schon beim Reisen sind… Ja, in die Ferien zu fliegen, macht vor allem Freude, wenn man das Erlebnis mit jemandem teilen kann. Die Ode ans Vermissen klingt melancholisch und voller Sehnsucht. Interessant bei diesem poppigen Werk ist ausserdem, dass er den Titel des Songs erst ganz am Schluss von sich gibt, was die Spannung immer schön oben hält. Ein stimmiger Sommersoundtrack dieses Stück, welches in der aktuellen Ferienzeit vielleicht auch bei einigen Musikfans aus der Region auf der Playlist landen dürfte. Ich finde den schon mal ziemlich gelungen.  

«Wiissa Teppich»

Ich werde diese Faszination für den Winter der No Future-Jungs nie ganz verstehen... Ja, es stimmt. Wir switchen hier nicht nur von Lied zu Lied, sondern auch vom Sommer, Strand und Meer, direkt zur Surselva, Schnee und dem Boarden. Der spezielle Rhythmus der Gitarre zum Start verwirrt ein wenig, was aber nicht allzu lange ablenkt, denn der kurze Einsatz des Synthesizers und auch der Text des Liedes suggeriert vor allem eins: Alles ist perfekt, wenn es endlich wieder schneit. Warum der Tourismus Säm bisher noch nicht vor den Karren für eine Winterdestinationshymne gespannt hat, werde ich wohl nie verstehen. Denn genau solche Lieder voller Begeisterung für das Boarden und Skifahren sind es doch, welche die Menschen aus dem Unter- und Ausland nach Graubünden locken. Also ihr Büro-Hirnis in den Tourismus-Planungsbüros, let’s go!

«Grosses Füür»

Catchy beginnt die Nummer in der Mitte der EP. Wow, was für ein Lovesong! Säm erzählt die Geschichte des Kennenlernens mit seiner Liebsten Jasmin nach und macht das auf poetische, aber nie kitschige Art. Ich versuche ja schon seit Jahren, den perfekten Track für meine Frau zu schreiben, bei dem jedes Wort am richtigen Ort sitzt… Während ich gerne mal scheitere und immer wieder von vorne damit beginne, hat Samy hier ein Lied geschaffen, das ganz nahe am perfekten Lovesong ist, was mich gleich ein wenig neidisch macht. Man kann es ohne schlechtes Gewissen als Hit bezeichnen, denn das ist dieses Mid-Tempo-Ballade durch und durch.  


«Dr Wäg isch ds Ziel»
Säm hat hier eine weitere schwierige Aufgabe leichtfüssig und mit Bravour gemeistert. Er hat nämlich ein Loblied auf die Natur und auf die eigene Heimat gestaltet, ohne dabei einen üblen Gölä/Trauffer-Beigeschmack hervorzurufen oder gar Heimattümmelei zu betreiben. Seine positive Art ist ansteckend und die Zuhörerschaft wird vielleicht in Zukunft ein wenig dankbarer für das fast schon «Selbstverständliche» in ihrem Leben. Das Lied motiviert nicht nur zum Nachdenken, sondern auch zum Rausgehen. Das Lied hat viel mehr Message, als es alle Lieder in der aktuellen Single-Hitparade zusammen vorweisen können, was einerseits tragisch, anderseits aber auch für das solide Beherrschen seines Handwerks spricht.  


«Weniger isch meh»

Wir hatten den Sommer, natürlich den Winter und ein Lied über Liebe aka ein Lied voller Frühlingsgefühle. Was da noch fehlt ist die Jahreszeit Herbst, die Säm in diesem Lied thematisiert. Er, der zuvor vor allem auf Aktivitäten und das Rausgehen pochte, schwingt hier die Fahne der Entschleunigung und des Relaxens. Mut zur Pause, sowie etwas Zeit für das Aufladen der Batterien solle man sich doch gönnen, denn ab und zu ist weniger definitiv mehr.  


«Sina»
Kurz vor dem Schluss packt Samy Schmid noch einen Hit auf die Platte, welcher alles zuvor gehörte im Handumdrehen in den Schatten stellt. Die Hymne für seine Tochter, ist nicht nur eine emotionale Achterbahnfahrt, bei der jedes Wort und jeder Ton für Gänsehautmomente sorgt; es ist ausserdem seit langem einer der schönsten Werke, die ich überhaupt jemals gehört habe. Der «tüpft» mich gerade mitten ins Herz und zeigt, was die Geburt eines Kindes alles verändert. Der Song «Sina» kommt bei mir auf die gleiche Bündner Evergreen-Liste wie «Alles wäga diar» von May Day, damit ihr den Wert des Stückes richtig einordnen könnt...

Schlussfazit:
Säm findet auch ohne seine Kollegen von No Future die richtigen Worte und zeigt in einer abgespeckten Version, wie grosse Mundartsongs geschrieben werden. Der Soundtrack seines Lebens ist ein spannendender und zugleich mitreissender, der auch ohne verzerrte Gitarren seine Wirkung nicht verfehlt. Durch das komplett andere akustische Singer-/Songwriter-Konzept schafft es Samy Schmid seine Diskografie mit einer weiteren Facette anzureichern, ohne seine Hauptband zu irgendeinem Zeitpunkt zu kopieren. Er hat dabei eine emotional sehr berührende musikalische Perle erschaffen, die das Streben nach Glück und das echte Leben mit all seinen Höhen und Tiefen porträtiert. Das selbstbetitelte Werk spendet viel Zuversicht und Hoffnung durch die positiven Gedanken, die der Sänger in die acht Lieder gepackt hat. Das reife Solodebüt lässt Freude aufkommen und darauf hoffen, dass in Ilanz auch in Zukunft noch viele solche magische Momente geschaffen werden. Und nochmals kurz zurück zum Anfang, lieber Säm, für dieses kompakte und doch gehaltvolle Werk hätte ich jederzeit und wirklich sehr gerne den vollen Preis gezahlt... Also lass uns die 20 Stutz mal in Graubünden gemeinsam auf den Putz hauen, okey?!?

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