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«Beatox» im Soundcheck
Bild/Illu/Video: Cover

«Beatox» im Soundcheck

Das Intro «Alles jetzt» kommt klassisch und ziemlich aggressiv aus den Boxen geschossen. Das Statement, dass Crispy alles jetzt will und nicht mehr warten mag, ist ansteckend und motivierend zugleich. Interessanter Start.


«Shots» feat. Re moesli ist eine Partyhymne und porträtiert einen Abriss. Der Gast RE Moesli ist mit seinen englischen Zeilen eine angenehme Abwechslung für jemanden wie mich, der praktisch nur Mundartrap hört. Eine spannende Kombo, die überraschend und mit viel Drive daherkommt.

«Feinde Skit» ist ein klassisches Skit, das einfach auf jedem Rapalbum sein sollte und die Aufbruchstimmung weiter anfeuert.

Auf «Reset» holt Demian Länzlinger seinen Backup Raboose ans Mikrophone. Der «Casper der Ostschweiz» hat einfach eine verdammt geile Stimme und zeigt, wie man trotz eines nicht so populären Dialekts für mächtig Wirbel sorgt. Den zweiten Gast auf dem Cyphertrack namens Ce.Oh hatte ich bisher noch nicht auf dem Schirm. Doch auch er ist eine echte Entdeckung. Das zeigt, dass Crispy nicht nur Boom Bap liebt, sondern auch weiterhin dazu bereit ist das Rampenlicht mit anderen talentierten Wortakrobaten zu teilen. Das ist absolut lobenswert, denn durch Featureparts habe ich einige meiner Rap-Lieblingsacts überhaupt erst kennen gelernt.

Weiterhin mit einem grossen Aggressionspegel geht das Album mit dem Song «Drop» weiter. Während der kalte Beat ziemlich gut pumpt, flippt der Thurgauer regelrecht aus. Phasenweise macht er dies so laut und mit einem dermassen intensiven Elan, dass der doch auch recht fette Part von Ruff fast ein wenig gar entspannt rüberkommt.


«Rap Zunami» ist ein Statement, bei dem er alle Karten auf den Tisch legt und beweist, dass er dank dem Mix aus exzellenter Technik, einer unversiegbaren Quelle an Energie und viel aufgestauter Aggression, durchaus noch ein Wort mitzureden hat in der Rapszene Schweiz. Willkommen zurück.


Das kurze Stück «Kater» beschreibt authentisch den Zustand nach einer wilden Nacht mit zu viel Alkohol. Ja, hin und wieder ist fast ein wenig intelligenter nochmals hinzuliegen…


Mit dem Lied «Seg mer wer» kommen endlich die souligen Samples auf die Platte. Die Ode an das Leben zwischen Hip Hop, gutem Job und Familie überzeugt sehr, da er anders als die vorgängigen Tracks entspannt und reflektiert wirkt. Das ist auch der Crispy Dee, den ich live erlebt habe, wenn er dann mit seiner ganzen Band auftritt.


In die gleiche Kerbe schlägt das Lied «Good Vibes». Das jazzige Saxophon im Hintergrund leitet durch Crispy’s nacherzählte Geschichte, in der Freundschaften wichtiger sind als Hitparadenplatzierungen.


Irgendwie ziemlich komisch, dass er die einprägsamen Songs im hinteren Teil des Albums platziert hat… In «Nacht» zeigt der Rapper seine ausgeprägte Begabung als Beobachter. Er malt spannende Bilder, die fesselnd sind und begeistern.

Der «Winter» steht bald vor der Tür. Für den passenden Soundtrack sorgt der Rapper aus dem Thurgau gleich selbst mit dieser nachdenklichen Nummer. Das motivierende Stück ist eines der besten der Platte und zeigt, dass Länzlinger nichts von seiner Nachdenklichkeit und Tiefe verloren hat und mehr kann als bloss zu fronten.

Schlussfazit:
Das Combackalbum «Beatox» ist eine überraschende Platte, die sich eigentlich in zwei Hälften teilen lässt: Zum Start gibt es viele Gäste, viel aufgestaute Aggression, die raus muss und ein stetiger Competitionmodus. Dass auch Fans von Musik mit Tiefgang bei der Scheibe dranbleiben sollten, zeigt sich in der zweiten Hälfte des Albums, wo Demian Länzlinger aka Crispy Dee die Energie runter schraubt und den Hörern Zeit zur Reflektion bietet. Einen interessanten musikalischen Gefährten hat Crispy mit dem Produzenten Lextronom gefunden, denn dieser veredelt das neue Album nicht nur mit einem roten Faden, sondern zeigt auch auf, wie abwechslungsreiche Beats in der heutigen Zeit klingen können.

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