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«Heroes in Chaos» im Soundcheck
Bild/Illu/Video: Cover

«Heroes in Chaos» im Soundcheck

«Intro»

Wie aus einer anderen Galaxie klingt das erste Stück des Debüts. Die Mirkwood Spiders beginnen mit langgezogenen Gesangsharmonien, bedrohlichen Gitarren und einem spannenden Aufbau. Der musikalische Einstieg beinhaltet einige packende Elemente, die neugierig darauf machen, was da als nächstes auf die Hörerschaft zukommen wird.


Das Titelstück «Heroes in Chaos» beginnt sanft und irgendwie verträumt. Die Stimme von Sebastian Boner erinnert mich in den ruhigen Passagen ein klein wenig an Andrin Berchtold von From Kid und doch wird bei dieser Band hier definitiv härter in die Saiten gegriffen, was der musikalische Breakdown kurz vor den ersten zwei Minuten sehr eindrücklich vorführt. Wo zuvor noch eine Ballade zelebriert wurde, kommt jetzt eine grungige Mixtur durch die Boxen geschossen, nur um nach knapp drei Minuten sich kurz in einen funkigen Zwischenteil zu verwandeln. Es folgt ein ziemlich rotziger Teil, bei dem es nochmals ein wenig lauter wird und Vincent Pas virtuos an der Gitarre brilliert. Beim anschliessenden Part des Songs groovt das Quartett gemeinsam über die Hälfte des Songs hinaus. Hier fällt es sofort auf, welch eine Maschine Nando Däscher inzwischen am Schlagzeug geworden ist. Die von ihm vorgetragenen Ghostnotes sind ein echter Ohrenschmaus für jeden Drummer und versetzten mich gerade ein wenig ins Staunen. Allgemein erstaunlich ist es, wie leichtfüssig die Herren ihre doch recht komplexe Musik servieren. Wer gedacht hatte, er hätte schon alles gehört, wird ab Minute sieben eines Besseren belehrt, als die Jungs erneut ziemlich auf den Putz hauen. Die Mixtur aus Metal und Grunge am Schluss bereiten sehr viel Freude und ich bin fast ein wenig überrascht, wie kurzweilig zehn Minuten doch sein können.


«Feather of Maat» beginnt erneut abgespaced, wie die vorher gehörte Nummer. Das Lied bricht kurz vor der ersten Minute zusammen, wo Bassist Lars Good den Lead übernimmt und in einen Part überleitet, welcher Futter für alle Headbanger liefert und sofort hängen bleibt. Was folgt ist ein spannender Teil mit «Layne Staley»-artigem Gesang, eine Passage bei der Trash-Metal-Anleihen verwendet wurden und ein ziemlich heftiger Anschlussteil, welcher mit viel Karacho zurück zum Gesang führt. Das ziemlich bluesige Gitarrensolo ist prächtig, markiert aber nur die Hälfte des Liedes. Nun folgt ein The Doors-mässiger Zwischenteil, bei dem die Hörerschaft weit weg entführt wird und den gebetsartigen Versen des Frontmanns lauscht. Die vier Jungs schaffen eine faszinierende und zugleich bedrohliche Atmosphäre, die mich schwer beeindruckt. Um die zehn Minuten rum, wird der Song nochmals neu erfunden und vor allem der verspielte Schluss mit ziemlich viel Druck nach vorne ist einfach genial.


Nach den zwei progressiven Krachern, bin ich froh darüber, dass sich die «Interdimensional Symphony» etwas zusätzliche Anlaufzeit nimmt. Auch wenn das alles ziemlich kreativ und innovativ ist, sollten die Jungs nie vergessen, dass es doch auch äussert anspruchsvolle Kompositionen sind, die sie hier vortragen. Diese könnten die Hörer eventuell sogar ein wenig überfordern. Die Symphonie plätschert nun schon mehr als drei Minuten vor sich hin und es dünkt mich, als hätte sich die Band diese Gedanken durchaus auch gemacht, als sie ihr Album zusammengestellt haben. Für ihr junges Alter zeigen sie sich erstaunlich reif und der von klassischen Elementen beeinflusste Opus nimmt kurz vor vier Minuten eine spannende Wendung, um Platz für den Sänger zu schaffen. Der einzige Gast des Werkes spielt Arnaud Pas auf diesem Lied ein Cello, welches sofort unter die Haut geht. Bis jetzt ist dies hier sicher eine der radiotauglichsten Geschichten, welche die Jungs vorlegen. Wobei würde wahrscheinlich jeder Radiomusikredaktor nach sieben Minuten die Idee verwerfen, eine leicht gekürzte Version des Werkes «On Air» gehen zu lassen. Eigentlich verdammt schade, denn das Gitarrensolo um die achte Minute ist episch und macht mir als grosser Papa Roach-Fan enorm viel Freude. Mich dünkt es fast ein wenig so, dass man aus einem Mirkwood Spiders-Song vier bis fünf Lieder für eine andere Band schustern könnte... Die Jungs haben einen solch enormen Ideenoutput, dass meine Kinnlade nur schwer wieder nach oben geht.


«Psychonaut» heisst das letzte Stück auf dem Album. Es ist zugleich das Werk bei dem ich mich zurücklehnen werde und dabei die wundervollen progressiven Rockklänge aus fernen Welten auf mich wirken lassen möchte. Was mir nur bedingt gelingt, da auch hier wieder mit der grossen Kelle angerührt wird und zudem noch «Maiden»-mässige Riffs in meine Ohrmuscheln dringen. Ein echt fettes Stück, dass den Vorgängern an Abwechslung in Nichts nachsteht und die mehr als 12 Minuten wie im Flug vorbeigehen lassen.


Schlussfazit:
Das Debütalbum «Heroes in Chaos» von der Bündner Band Mirkwood Spiders ist ein Werk, das sich nur sehr schwer einordnen lässt. Das Quartett schafft es einen eigenen Sound fernab vom Kommerz zu kreieren, welcher Atmosphäre schafft, Abwechslung und Unvorhersehbarkeit beinhaltet, sowie ziemlich viel Druck erzeugt. Ihre Musik kennt keine Schubladen, tobt sich aus und zeigt: Früher war eben doch nicht alles besser als heute. Vor zehn Jahren hätte ich beispielsweise keine Bündner Band nennen können, die so kompromisslos ans Werk gegangen ist, wie es diese vier Jungs tun. In der heutigen schnelllebigen Streaming-Zeit gibt die Band der Musik ihren Raum und Wert zurück, in dem sie ihren Ideen freien Lauf lässt, was Mut braucht, aber auch ziemlich bemerkenswert ist. Mehr davon!

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